Die Begriffe Fast und Ultra Fast Fashion findet man im Internet sehr häufig. Wörtlich übersetzt heißt es „schnelle“ oder „ultraschnelle“ Mode. Und trotzdem bleibt es ein Rätsel, was sich tatsächlich dahinter verbirgt und was sie uns wirklich kostet. Von Alina Dillmann
Zara und H&M gehören beispielsweise zu den Fast-Fashion-Brands. Sie bringen mindestens 24 Kollektionen pro Jahr heraus, also alle zwei Wochen eine neue Kollektion an Klamotten. Und Shein, Temu und New Yorker produzieren Ultra-Fast-Fashion, sie bringen bis zu 52 Kollektionen und mehr pro Jahr auf den Markt, das bedeutet jede Woche eine Kollektion. Greenpeace schreibt sogar: Mit unglaublichen 6.000 bis 9.000, manchmal sogar 11.000 neuen Artikeln pro Tag auf der Webseite und in den Social-Media-Kanälen treibt vor allem die Online-Plattform SHEIN das System Fast Fashion auf die Spitze.
"Fast Fashion basiert auf maximaler Geschwindigkeit, minderwertiger Qualität und extrem niedrigen Preisen, wobei neue Trends innerhalb weniger Wochen oder sogar Tagen in den Verkaufsladen gejagt werden", sagt Moritz Jäger-Roschko, der sich bei der Umweltorganisation Greenpeace mit dem Thema beschäftigt. "Dadurch wird Kleidung quasi zum Wegwerfartikel".
Doch wie die Klamotten hergestellt werden und warum vor allem Jugendliche sie kaufen, damit beschäftigen sich die Käufer nur selten. "Dabei wird der wahre Preis von Fast Fashion nicht an der Kasse, sondern von Mensch und Natur bezahlt", so Moritz Jäger-Roschko". Das Hauptproblem: Die Produktion basiert auf billigster Massenfertigung mit hohem Ressourcenverbrauch, schlechten Arbeitsbedingungen und enormem Abfallaufkommen. Kleidungsstücke werden oft nur wenige Male getragen und landen dann im Müll, was die Umweltbelastung durch Ressourcenverbrauch und Textilabfälle massiv verstärkt.
Quelle: Online-Umfrage "Einstellungen zum Kleidungskonsum", Greenpeace 2025
Zielgruppe für Fast Fashion sind in erster Linie Teenager, da sie vielen Modetrends im Internet folgen. Jedes Jahr kauft im Schnitt jeder Deutsche etwa 18 Kilogramm neue Kleidung. Hat die Modeindustrie etwas Wichtiges gelernt, dann ist es: Teenager sind beeinflussbar. Hat man sie erst einmal auf die eigene Website gelockt, kann man es als Paradies für Schnäppchenjäger sehen: ein T-Shirt für knappe 4 Euro und ein Kleid, das woanders 220 Euro kostet, für 25 Euro. Doch das Ganze hat einen Haken: Die Klamotten haben eine miserable Qualität, fast schon „Wegwerfqualität“. Also: das einmal Tragen, Wegwerfen und dann etwas Neues kaufen, hat vor allem etwas mit der Herstellung zu tun.
Dabei grenzen die Arbeitsbedingungen bei Fast Fashion fast an moderne Sklaverei. "In den Produktionsländern schuften Menschen unter ausbeuterischen Bedingungen für Hungerlöhne, nur damit minderwertige Ware produziert wird, die nach kürzester Nutzung als Müllberge in afrikanischen Ländern wie etwa in Ghana oder Chile landet", sagt Greenpeace-Experte Moritz-Jäger-Roschko. Die Produktionsbedingungen sind erniedrigend: 80 Millionen Arbeiter in Textilfabriken. Die meisten sind Frauen, da man in diesen Ländern Frauen unterbezahlt. In Textilfabriken zahlen sie den Näherinnen nur ca. 0,10 € pro T-Shirt, manche müssen sogar bis zu 11 Stunden am Tag arbeiten. Von fairer Bezahlung ist kaum zu sprechen. Im Gegenteil: Sie werden noch Opfer sexueller Belästigung und müssen ihre Arzttermine noch selbst zahlen. Solche Arbeitsbedingungen sind in Deutschland nicht ansatzweise denkbar und ein Grund, warum häufig in Bangladesch oder Pakistan produziert wird.
Unglaublich sind die Auswirkungen auf die Umwelt. Wie es unserem Planeten derzeit geht, dazu hat auch die Fast- und Ultra-Fast-Fashion ihren Teil beigetragen. Stand 2024 ist die Modeproduktion für ca. 10 Prozent der weltweiten klimaschädlichen CO2-Emissionen verantwortlich. Der allergrößte Teil davon wird bei der Herstellung erzeugt. "Dabei könnten die meisten Modemarken ihre Treibhausgasemissionen mehr als halbieren, wenn sie nur 1 bis 2 Prozent ihrer Einnahmen dafür investieren würden", sagt Moritz Jäger-Roschko. Doch nicht nur die natürlichen Ressourcen wie Wasser werden verwendet, sondern eher missbraucht. Schätzungsweise werden pro Baumwoll-T-Shirt 2700 Liter Süßwasser verbraucht. Und auch durch das Färben verschiedenster Sachen werden Chemikalien ins Wasser gebracht. Die Textilindustrie verwendet bis zu 3500 verschiedene Chemikalien, 10 Prozent davon sind gesundheitsschädlich, 5 Prozent gefährlich für die Umwelt. Dadurch, dass diese Chemikalien rücksichtslos entsorgt werden, gelangt die „Chemikaliensuppe“ in das Grundwasser dieser Länder. Die ärmeren Gebiete dieser Länder müssen dann mit einem verschmutzten Grundwasser leben, welches zu Krankheiten bei Kindern und Erwachsenen führt.
(Foto: Greenpace)
Aber auch die Käuferinnen und Käufer von Fast Fashion können leiden, weil sie über Hautkontakt mit den Chemikalien in Berührung kommen. Erst im November 2025 hat Greenpeace in einer Untersuchung in 18 von 56 bei Shein bestellten Kleidungsstücken Mengen von gefährlichen Chemikalien gefunden, die die gesetzlichen Grenzwerte um das hundertfache und mehr überschritten. Einige der Chemikalien sollen beim Menschen die Leber und das Immunsystem schädigen und Krebs erzeugen können. Schon 2024 vielen beim Verbrauchermagazin Ökotest 21 Kleidungsstücke und Sandalen von Shein wegen der Schadstoffe und Qualität negativ auf.
Das rasante Wachstum von Fast Fashion wäre zudem ohne Kunstfasern, wie zum Beispiel Polyester, nicht möglich: Sie sind billig und einfach zu produzieren – und werden aus Erdöl hergestellt. Das treibt die Klimakrise und Plastikvermüllung unseres Planeten weiter voran. Diese synthetischen Mikrofasern, zum Beispiel von Fleece-Kleidung, lösen sich dann in der Waschmaschine und landen in Flüssen und Meeren. Schon jetzt stammen bis zu 35 Prozent des Mikroplastiks, das in unsere Meere gelangt, aus Textilien.
Aussortierte, kaputte Kleidung ist daher häufig nichts anderes als Plastikmüll. "Wie jeder Plastikmüll verrotten auch Plastik-Textilien nicht, die wir vor allem nach Afrika exportieren und die dort die Müllkapazitäten sprengen", erklärt Moritz Jäger-Roschko von Greenpeace. Textil-Müllberge auf Deponien sind die Folge. Um die Menge in den Griff zu bekommen, werden sie auch unter freiem Himmel verbrannt – und setzen so Schadstoffe frei. Oder sie landen in den Flüssen, schwimmen mit der Strömung ins Meer und werden dort zu Mikroplastik zerrieben.
(Foto: Greenpace)
Warum kaufen aber viele trotzdem Fast Fashion, obwohl die Herstellung doch so verwerflich ist? Es liegt besonders daran, dass sich besonders die Ultra-Fast-Fashion-Marken auf das sogenannte „Influencer-Marketing“ spezialisiert haben. Oft beginnt es mit Kooperationen von den Klamottenherstellern mit Influencern wie Fashion Nova, Cardi B und Bibis Beauty Palace. Alles große Influencer, den Teenagern durch den Algorithmus der Social Media Apps oft in deren Timeline eingespielt werden. Die Kooperationen sind häufig geschickt gestaltet, und die meisten Teenager fühlen sich davon angesprochen, die Community eifert ihrem Idol nach und kauft ebenfalls das Produkt.
Psychologen bestätigen, dass Fast Fashion ebenfalls auf einen Kaufrausch abzielt. Man kann es mit Glücksspiel vergleichen, da die Apps einiger großer Marken mit dem Belohnungssystem arbeiten. Das bedeutet, so lange zu scrollen, bis man das perfekte Teil findet. Der Körper schüttet dann Dopamin aus, der Stoff wird auch als „Glückshormon“ bezeichnet, und wir kaufen dann spontan. So geht es weiter, bis wir einen vollen Einkaufswagen haben. Da die Kleidungsstücke sehr günstig sind, ist der gesamte Preis vergleichsweise niedrig.
(Foto: Greenpace)
"Der beste Weg aus der Fast-Fashion-Falle ist Slow-Fasion", sagt Moritz Jäger-Roschko. Wir müssen das nutzen, was bereits existiert, anstatt auf die Werbeslogans der Fast-Fashion-Industrie reinzufallen. Ob Second-Hand-Plattformen, Kleidertauschpartys mit Freunden oder das Reparieren alter Lieblingsstücke – jede Verlängerung der Lebensdauer schont wertvolle Ressourcen. "Bevor du an der Kasse stehst, stelle dir die einfache Frage, ob du das wirklich brauchst". 9 einfache Tipps für Slow-Fashion von Greenpace findest Du hier und weiter Links zum Thema Fast Fashion hier: