Die josefine-Redakteurinnen begrüssen die Dragqueen Feeby Fergison an der St. Josefschule (Foto: Andreas Grote)

"Hört auf das, was ihr seid"

Die josefine-Redaktion hat im Rahmen des Pride Month die Drag Queen Feeby Fergison zum Interview an die Schule eingeladen. Nach einer Foto-Session mit zahlreichen Schülerinnen vor der Schule kamen danach auch rund 20 Schülerinnen zum Interview dazu und stellten ihre Fragen. Heraus kam ein lesenswertes und bemerkenswertes Gespräch über queer sein, sich outen, was drag bedeutet, für was der CSD und die Pride stehen und warum es so wichtig ist, den Mund aufzumachen, wenn queere Menschen diskriminiert werden.

Ein Interview der josefine-Redaktion, bearbeitet von Amy und Clara

josefine: Hallo Feeby, schön dass Du da bist. Was hast Du gedacht, als wir, die Schülerzeitung einer katholischen Mädchenschule, Dich zu einem Besuch zum Pride Month angefragt haben?

Feeby: Als die Anfrage kam, habe ich mich mega, mega gefreut. Weil ich mir dachte, ihr ladet eine Drag Queen ein. Ihr könnt ja nur gut sein. Denn ihr seid eine Generation, die sind viel offener als noch meine Generation oder die Generation meiner Eltern, meiner Großeltern. Und das hat mir eben genau das gezeigt heute, wie Intuit ihr wart, wie cool ihr wart und wie ihr direkt gesagt habt, "können wir ein Foto machen". Also auch keinerlei Berührungsängste mit dem Thema. Das finde ich super.

josefine: Du hast uns erzählt, Du bist schwul. In welchem Alter hattest du dein Outing und wie hat sich das angefühlt?

Feeby: Ich hatte mein Outing mit 19, hatte sehr, sehr lange eine Freundin gehabt und irgendwann auch parallel einen Freund. Dass ich schwul bin, das wusste ich schon immer, das weiß man einfach, das liegt in den Genen. Die Situation war dann irgendwann aber für niemanden mehr schön, denn ich hatte meine Freundin noch und war auch schon fest mit meinem Freund zusammen und ich musste mich entscheiden, denn meine Freundin wusste nichts davon, weil ich selber so mit mir im Struggle war. Und mein Freund hat gesagt, wann stehst du denn zu mir oder auch zu dir selber. Und dann habe ich mir wirklich bildlich vorgestellt: hier war meine Freundin, hier war mein Freund. Wenn ich mich für sie entscheide, mache ich es allen anderen recht und kriege vielleicht keine Probleme in der Gesellschaft. Wenn ich mich für ihn entscheide, entscheide ich mich auch für mich, kann aber schwierig werden. Ich habe mich dann im Endeffekt wirklich für ihn entschieden. Das war die beste Entscheidung meines Lebens, weil wirklich, als ich in eurem Alter, aber ich weiß nicht, wie das mit Outing an hier an der Schule aussieht, hat sich schon jemand non-binary geoutet oder eben als Lesbisch oder wie auch immer, das weiß ich nicht, aber das war bei mir zum Beispiel in der Schule ein absolutes No-Go. Also da wurde nie drüber gesprochen, da wurde nie aufgeklärt. Und das freut mich sehr, dass es in der heutigen Generation anders ist. Das kriege ich mit. Und das freut mich sehr, das zu sehen, dass es eben vorangeht, wenn auch in winzig kleinen Schritten.

josefine: So ein Outing läuft ja oft nicht unproblematisch ab. Wie hat dein Umfeld auf das Outing darauf reagiert?

Feeby: Also meine Mum hat gesagt, endlich sagst du mir es. Mütter haben da einen ganz anderen Instinkt. Aus meinem engen Freundeskreis oder Familienkreis habe ich keine Negativ-Resonanz bekommen. Aus dem weiteren Umfeld gab es bestimmt Leute, denen das nicht so gepasst hat, aber das war mir wirklich, wirklich egal, weil einfach diese engen Leute, die ich hatte, hinter mir standen und dann fiel mir das sehr leicht. Gott sei Dank. Ich weiß, es geht nicht jedem oder nicht jeder so.

josefine: Hast Du einen Tipp für junge Menschen, die sich outen möchten?

Feeby: Es gibt Telefonnummern, wenn man im Internet einfach queere Jugendhilfe eingibt. Das gibt es Hotlines, die kann man wählen, da sind dann Betreuer*innen, die hören einem zu. Und es ist halt alles sehr anonym. Es gibt beispielsweise in Frankfurt ein queeres Jugendkulturzentrum. Das ist das Kuss21 und da kann man zwischen, also es geht glaube ich bis maximal 22 darf man sein. Und da sind ganz viele Menschen, die kennen sich mit Jugendlichen aus, das sind Betreuer. Dem kann man sich öffnen, wenn man sagt, ich traue mich bei meiner Familie, bei meinen Freunden noch nicht. Auch gerne einen Drag Queen schreiben bei Instagram, also ich krieg auch ganz, ganz viele Nachrichten, auch von wirklich ganz jungen Mädels oder Jungs, die, weiß ich nicht, 14, 15 sind und sagen, Boah, wie hast du dich geoutet? Und dann den sage ich ihnen genau das Gleiche. Es gibt diese Stellen, das ist safe und dann seid ihr sicher. Ich hatte eine beste Freundin, bei der ich mich geoutet habe, und das hat super geklappt. Man hat vielleicht auch Freunde, die das nicht so gut aufnehmen. Das ist immer schwierig, um erstmal so diesen Schritt zu gehen und zu sagen, ich bin anders als die anderen.

josefine: Was hat Deine beste Freundin damals dazu gesagt?

Feeby: Das weiß ich gar nicht mehr. Das ist schon so lange her, aber sie war auf jeden Fall sehr positiv. Das weiß ich noch. Und mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Das war der Mount Everest, der mir vom Herzen gefallen ist. Und danach wurde es leichter, weil man hat es ausgesprochen, weil man hat sich selber akzeptiert. Sobald man es ausspricht, steht man zu sich selber und das ist eigentlich das größte Geschenk, was man sich selber machen kann.

josefine: An wann hast Du dann für Dich beschlossen Dragqueen werden?

Ich glaube mit fünf. Nein, also ich habe als Junge damals auch immer sehr gern Kleider getragen und immer mal zu Hause, immer mal wieder. Und dann irgendwann 2014 war Fasching, Karneval und in Köln und ich habe gesagt, komm und jetzt mach ich es einfach mal. So fangen viele Drag Queens an, weil es natürlich leicht ist. Man ist unter vielen Verkleideten, man fällt nicht auf. Und das war für mich der Startschuss, wo ich gesagt habe, das möchte ich machen, wusste aber noch nicht, wo die Reise hingeht.

josefine: Was ist eigentlich drag?

Feeby: Also Drag bedeutet "Dressed as a Girl", also gekleidet wie ein Mädchen. Das kommt von ganz früher, aus einer Zeit, da durften Frauen ja gar nichts. Und da wurde auch im Theater die Rolle der Frau von einem Mann gespielt. Frauen durften nicht arbeiten, die durften nichts, das hat sich zum Glück geändert. Und deswegen stand in diesem Skript, also in diesem Theater Leitfaden, stand dann eben vor gewissen Männern, die diese Frauenrolle gespielt haben, stand Drag, "Dress As A Girl". Und das ist immer noch so geblieben. Warum auch immer. Das weiß ich leider nicht.

josefine: Wie war dein erster öffentlicher Auftritt?

Ich hab mich wundervoll gefühlt, im Nachhinein sehe ich Bilder und denke mir: wo waren meine Freunde und haben gesagt: geh so nicht raus. Das war damals in einem Club, einer Disco, und da habe ich dann ein wenig performt. Das war alles super damals, aber wenn man sich so selber sieht von damals und heute dann denkt man sich schon: "Oh Gott, was ist das?" Aber das ist der normale Prozess. Ich hatte ein bisschen Lidschappen, Wimperntusche, Lippenstift, ein bisschen Rouche, bin rausgegangen und hab mich gefühlt wie "Queen of the Night", und das ist aber auch schön. Genauso soll es nämlich sein und das ist eben Drag, dass du dich gut fühlst, dass du aus allem mal rauskommst. Wir haben alle Verpflichtungen, du musst zur Schule gehen. Also ihr, ich nicht mehr. Ich gehe arbeiten, ich muss mich immer an Regeln halten, dass ist auch vollkommen okay. Aber das ist meine Auszeit, wo ich sage, jetzt mach ich was mir gefällt, was mich bestimmt. Und ich zieh das an, was ich gut finde.

josefine: Was willst du mit Drag erreichen?

Ruhm und Reichtum. Nein, was möchte ich mit Drag erreichen? In erster Linie ist für mich Drag, mich selber auszuleben. Das ist meine allererste Prio, weil ich habe im Laufe der Jahre gelernt, ich bin mir selber am nächsten, niemand anderes und wenn ich nicht mit mir selber klarkomme oder ich Dinge mache, die mir vielleicht nicht gefallen oder mich nicht mag, wie sollen mich andere mögen. Das ist mein erstes, mein zweites ist natürlich fame zu werden. Also ich muss es ganz klar sagen, meine riesigen Vorbilder, Helene Fischer und Shirin David tatsächlich. Shirin ist eines meiner riesigen Vorbilder und ich supporte alles was sie macht, weil sie steht für Feminismus, sie steht für Frauen ein und das ist seit zwei Jahren auch mein Ding geworden. Obwohl ich biologisch keine Frau bin, setze ich mich für Frauen ein und wie gesagt, deswegen fand ich es umso cooler, dass wir Mädels hier unter uns sind.

josefine: Viele meinen, dass eine Dragqueen immer trans ist. Stimmt das?

Feeby: Nein, das stimmt natürlich nicht. Drag hat kein Geschlecht. Also jeder Mensch, der sich für diese Kunst interessiert, kann Drag machen, ob du non-binary bist, trans, schwul, lesbisch, pan, alles, was es in unserer Community gibt, es gibt auch ganz viele Dragqueens, die sind heterosexuell.

josefine: Fühlst Du dich drag als Frau?

Feeby: Ja, dann fühle ich mich als Frau. Drag hat ja so viele unterschiedliche Facetten, es gibt ja Dragqueens, die haben einen Bart und die sind behaart. Aber das ist eben das, was ich auch vorhin gesagt habe, ich entscheide selber, wie ich aussehe. Und damit fühle ich mich wohl. Und ja, ich fühle mich tatsächlich als Frau. Aber nur wenn ich ein drag bin. Das ist immer ganz wichtig, das dazu zu sagen. Ich bin biologisch ein Mann und ich bin auch gerne ein Mann. Aber diese Rollen zu tauschen, auch mit diesen Gender-Normen aufzuhören. Ihr seht, ich trage keinen BH, ich habe mir keine künstlichen Brüste gemacht, weil ich das einfach nicht fühle. Das mag ich sehr mit diesen Gender-Klischees auch zu spielen und damit ein bisschen zu hantieren. Gerade in dieser Gesellschaft, wo es eben noch ganz viele Schubladen gibt, wo Leute reingesteckt werden und du bist eine Frau, du musst so sein, du bist ein Mann, du musst so sein.

josefine: Aber in deinem normalen Leben rennst du ohne Perücke als Mann herum?

Feeby: Ja, ich habe auch Haare drunter. Ich bin ein Mann wie die meisten auch. Und wenn ich nicht in Drag bin, bin ich auch sehr basic angezogen. Einfach eine Jeans, ein T-Shirt. Also da geht es mir gar nicht drum, ich muss jetzt viel Glitzer und viel Glammer. Das hatte ich früher eine Phase, bevor ich mit Drag angefangen habe. irgendwann hat mir Drag gezeigt, du kannst das da ausleben, brauchst das aber in deinem Privatleben überhaupt nicht.

josefine: Wie reagieren andere Leute darauf, wenn die dich so auf der Straße in drag sehen?

Feeby: Das ist ganz unterschiedlich, es kommt drauf an, wo das passiert. Aber meistens sind die Reaktionen sehr positiv. Es gab aber auch schon Situationen, da wurden mir sehr, sehr schlimme Dinge nachgerufen, da muss man drüber stehen, weil dagegen vorzugehen bringt in dem Moment nichts, wenn du allein in drag unterwegs bist, weil man einfach den kürzeren zieht. Aber ich sag mal: zu 80 Prozent ist die Reaktion positiv.

josefine: Was machst du eigentlich, wenn du irgendwo gebucht bist als Dragqueen?

Feeby: Also das ist ja meistens in Clubs, in Nachtclubs oder auch auf Firmenveranstaltungen und dann tanze ich, davon forme ich, dann mache ich Lip-Sync, also Playback zu berühmten Künstlerinnen.

josefine: Wie ist das, wenn jemand nicht weiss, wie man Dich anspricht, also mit welchen Pronomen.

Feeby: Einfach fragen, wie darf ich die ansprechen? Was sind deine Pronomen? Das ist vollkommen in Ordnung. Man weiß das ja oft gar nicht. Man entscheidet sich selber für gewisse Pronomen und das kann die Personen gar nicht wissen und deswegen einfach fragen.

josefine: Wie können wir uns deinen Freundeskreis vorstellen?

Feeby: Also mein Freundeskreis besteht natürlich nicht nur aus Drag Queens. Ich habe auch noch einen Freund und der würde, glaube ich, durchdrehen, wenn er immer in diesem Freundeskreis dabei wäre, weil es ist für Außenstehende unglaublich anstrengend, denn auch Out of Drag sind wir laut schrill, bunt und deswegen ist es für Außenstehende schwierig, das kann ich auch verstehen und das akzeptiere ich auch. Ich habe auch natürlich einen hetero Freundeskreis, ich habe auch noch einen queeren Freundeskreis und es ist eine wirklich, wirklich gute Mischung.

josefine: Wie ist eigentlich dein Eindruck dazu: sind queere Menschen gut in der Gesellschaft akzeptiert?

Feeby: Ja und nein. Also ich glaube, Homosexualität an sich ist schon eher in der Gesellschaft akzeptiert als Transsexualität. Ich habe zwei Freundinnen, die Transfrauen sind, und die eben deswegen angegriffen wurden, einfach nur, weil sie sind wer sie sind. Und die Stimmen werden jetzt auch immer lauter. Ich weiß nicht, ob ihr das auch in Social Media auch mal mitbekommen habt, dass jetzt Drag Queens boykottiert werden sollen. Es gibt ganz viele Drag Queens, die machen Vorlesungen für Kinder, da werden Kinderbücher vorgelesen in Schulen, Kindergärten. Und es gab eben diese Hasswelle, die aus Amerika kam. Sie ist jetzt auch leider in Deutschland angekommen, dass man sagt, "Boykottiert die Drag queens, die wollen unsere Kinder umwandeln" oder was auch immer für Hirngespinste es gibt. Und jetzt sind wir als Drag Queens gerade so ein bisschen im Fokus, vorher waren es irgendwie die Transmenschen, die sind es immer noch. Es gibt einfach in der Gesellschaft immer eine kleine Gruppe von Menschen, die sind aber so laut, die müssen immer jemanden hassen.

josefine: Worauf führst Du diese Abneigung gegen queere Menschen zurück und was sind das für Menschen, die Euch ablehnen? Und es gibt ja auch Menschen, die dafür ihre Religion als Entschuldigung hernehmen.

Feeby: Ja, ganz furchtbar. Also ich finde, Religion als Entschuldigung dafür zu nehmen, ist furchtbar. Ich glaube, diese Menschen, und das ist meine Theorie, sind selber queer, können es aber nicht zugeben. Und sind in so einem Familienkonstrukt groß geworden, wie gesagt, sei es egal in welcher der vier Religion, die es gibt, denen es unglaublich schwer macht, weil sie wissen, wenn ich mich oute, dann werde ich abgelehnt, ich werde verstoßen und deswegen gehen sie umso mehr gegen queere Menschen, um von sich abzulenken. Aber ist nur meine eigene Theorie.

josefine: Wir haben mit Schrecken gelesen, dass ein Mädchen zu Tode geprügelt wurde, weil es trans ist und auch generell Menschen, die trans sind oder eine andere Sexualität haben. Wurdest Du oder Deine Kolleg*innen schon mal als Dragqueen angegriffen?

Feeby: Ja, ich wurde selber auch schon angegriffen, Dragkolleginnen von mir auch, wurden sogar teilweise krankenhausreif geschlagen, weil sie eben so aussahen, wie sie aussahen. Das passiert dann aus wirklich niederen, niederen, niederen Beweggründen, jemanden anzugreifen, einfach weil man so ist, wie man ist. Und das passiert ganz oft. Und in mir hat sich auch, das hatte ich all die Jahre nie, aber das letzte Jahr hat sich mir so eine kleine Angst aufgebaut, alleine rauszugehen in Drag. Deswegen versuche ich immer irgendwie mit dem Taxi zum Club oder zu einem Booking zu fahren.

josefine: Wie kann jede und jeder der queeren Community helfen?

Feeby: Genau durch solche Aktionen wie jetzt. Ich finde, man muss in der Schule lernen, dass es Dragqueens gibt. Das muss man, da führt kein Weg dran vorbei, weil die Eltern zu Hause, die haben ihr eingefahrenes Bild, die ändert man nicht mehr, ja, je oller, desto doller, das ist wirklich so. Und deswegen muss man anfangen, dass wirklich Kids wie ihr Berührungspunkte habt. Ihr wisst, ah, das gibt es, auch ganz wichtig, dass man sich selber entfalten kann, weil ich... ich hab mich immer nie dazugehörig gefühlt, auch in der Schule nicht. Und deswegen funktioniert es nur so, nur in Schulen kann man der Community helfen. Das ist ein Prozess, das geht nicht von heute auf morgen, aber für die nächsten 10, 20, 30 Jahre ist das für mich meiner Meinung nach der einzige Weg. Und es ist wichtig: wenn ihr queer-feindliche oder generell diskriminierende Sachen auch hier in der Schule erlebt, macht den Mund auf. Es gibt ganz viel, man hat Angst, ich verstehe das, aber wenn man nichts sagt, macht man sich selber zu Täterin. Das muss ganz klar gesagt sein. Man kann sich aus dieser Misere nicht rausziehen, wenn man nichts dazu sagt. Nein, da bist du genauso schuld, wie die Person, die wirklich diskriminiert hat.

josefine: Hast Du selber schon Ausgrenzung erlebt?

Feeby: Ja, also in meiner Schulzeit ganz extrem. Früher nannte man das "ein wenig ärgern", da gab es diesen Begriff Mobbing noch nicht. Ich finde es super, dass es diesen Begriff gibt, weil da hat man jetzt mal so was Handfestes. Das war schon, wo ich, also, ich sag mal, 5., 6., 7., 8. Klasse bin ich immer weinend von der Schule nach Hause gekommen, weil ich ganz viele schlimme, ich sag's einfach, Idioten, bei mir in der Klasse hatte. Und das war schon schlimm. Und da wusste ich selber noch nicht, wer ich bin. Die haben mich schon als Schwuchtel betitelt und ich wusste selber überhaupt nicht, wer ich bin. Das war wirklich schlimm.

josefine: Wurdest Du auch schon über das Internet bedroht?

Feeby: Nein, das tatsächlich noch gar nicht. Ich weiß, wie viel Hass es im Internet gibt. Vor allem, dass das Schlimme ist: Menschen im Internet sind noch grausamer, weil es sehr anonym ist. Man kann sich einen Fake-Account bestellen, ohne Bild, ohne alles und kann so viel Hass in nur 2 Sätzen reinpacken, dass es Menschen so verletzt, dass sie einfach sagen: will ich noch leben? Also, das ist das Schlimme am Internet. Und da muss man auch wirklich lernen zu differenzieren. Und auch das gebe ich euch als Tipp, wenn ihr das habt, redet da drüber. Redet mit euren Eltern, redet mit euren Lehrer*innen da drüber. Weil das steckt man nicht so einfach weg. Und verkraftet euch nicht und schämt euch nicht. Weil ihr könnt ja nichts dafür, dass diese Menschen so doof sind. Und verarbeitet das. Das ist immer ganz wichtig, weil es in sich rein und bitte ich reden mit niemandem darüber, dass es überhaupt nicht der richtige Weg ist.

josefine: Findest du, dass die Politik genug für die queere Community macht?

Feeby: Auf gar keinen Fall. Also man kann nie genug dafür machen, aber ich brauche euch nicht erzählen, so lange eine Partei wie die AfD im Bundestag ist, passiert auch in der queeren Welt nicht viel, nicht genug. Es passiert sehr auf kleiner Ebene, also in Städten oder so, aber wirklich deutschlandweit passiert viel zu wenig. Ich glaube Deutschland ist auf Platz 8 der queerfeindlichsten Länder in Europa, im skandinavischen Raum sind die wirklich viel, viel weiter und auch die Übergriffe auf Menschen wie wir sind quasi bei Null.

josefine: Gibt es Veranstaltungen, zu denen wir gehen können, um die queere Community besser kennen zu lernen?

Feeby: Kommt auf den CSD, da bin ich auch regelmaßig zu finden. kommt auf die Pride. Seid dabei, steht dafür ein, weil je grösser die Pride wird und je lauter wir werden, und mit wir meine ich immer alle, die bei der Pride sind. Also auch wenn man sagt, ich bin eigentlich gar kein Teil der Community, wenn ihr das supportet, dann seid ihr ein Teil. Also kommt zur Pride, seid dabei. Lauft die Demo mit, hört coole Musik, es gibt auch sehr viel Politisches auf dem CSD.

josefine: Wofür steht die Abkürzung CSD?

Feeby: CSD ist die Abkürzung für den Christopher Street Day, wo eben queere Menschen auf die Straße gehen, um für ihre Rechte einzustehen und eben gegen Diskriminierung zu arbeiten. Vielleicht kurz zum Hintergrund: der CSD entstand vor 51 Jahren in San Francisco und da sind queere Menschen aufgestanden gegen Polizeigewalt. Es wurden Razzien der Polizei damals gemacht und es wurden queere Menschen wahllos rausgezogen, verprügelt und irgendwann sind die queere Menschen aufgestanden und haben gesagt " jetzt reicht's". Und so wurde es eben immer größer und hat quasi aus Amerika die Welle nach Frankfurt gemacht. Und jetzt gibt es eigentlich in jeder Stadt, gibt es einen Christopher Street Day, auch hier in Hanau tatsächlich. Also es gibt glaube ich keine mittelgroße Stadt, die keinen CSD hat und das brauchen wir.

josefine: Unserer stellvertretenden Schulleiterin Frau Kreutz möchte gerne wissen, was würdest Du uns jungen Schülerinnen mitgeben auf Ihren Lebensweg?

Feeby: Hört auf euch und hört auf das, was ihr seid. Das finde ich ganz wichtig. Und der Weg wird nicht leicht, egal auf wen ihr steht, wen ihr liebt, wen ihr nicht liebt, aber er wird leichter, wenn man sich selber liebt und akzeptiert, wie man ist. Dafür habe ich sehr lange gebraucht. Ich hoffe und ich glaube euch wird es besser gehen und das freut mich riesig. Lasst euch nicht verbiegen und findet euren Weg. Und wenn ihr erst sagt "hier" und in zwei Jahren sagt ihr "da", dann macht ihr das, weil ihr entscheidet für euch selber, wer ihr sein wollt.

josefine: Wir sind hier an einer katholischen Schule, glaubst Du eigentlich an Gott?

Feeby: Nein. Ich habe eine ganz klare Devise in meinem Leben: liebe wen du willst, glaub an was du willst, nerv mich nur nicht damit. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen hart, aber ich schwätze ja anderen auch nicht meine Sexualität auf oder ich würde niemals sagen, wie kann man an Gott glauben, wer wäre ich oder was würde mir einfallen, einem Menschen seinen Glauben oder seine Herkunft oder was auch immer ausreden zu wollen. Ich fand es schon immer schwierig in einen Glauben reingeboren zu werden. Obwohl ich in einer christlichen Familie aufgewachsen bin, habe ich dann ab der Firmung gesagt, ich brauche das nicht mehr, das bin nicht ich. Das ist wie in jedem Glauben, sei es in Islam, im Buddhismus, im Judentum, im Christentum, dass jeder Mensch selber entscheiden sollte, möchte ich dabei sein glaube ich an das oder glaube ich nicht dran. Also: mach was du möchtest, solange du niemand damit schadest, zwing mir nur nicht das auf, an was du glaubst. Und obwohl ich diesen Glauben nicht teile, sage ich, diese Zehn Gebote, die habe ich ja auch mal gelernt, das sind ja im Prinzip Gebote, um ein guter Mensch zu sein.

josefine: Feeby, herzlichen Dank für Deine Zeit und das offene Gespräch, Alles Gute!