

(Foto: I DARE U JK, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons)
Das Phänomen K-Pop
K-Pop ist weltweit immer noch sehr beliebt. Spätestens aber seit dem Netflix-Film "K-Pop Demon Hunters" kennt jeder diese Musikrichtung aus Korea. Aber was macht sie so besonders.
Von Emma Katharina Alt Uzal
Der Film „K-Pop Demon Hunters“, der weltweit mehr als 500 Millionen Aufrufe erzielt hat, ist der meistgesehene Netflix-Film aller Zeiten. Der Film bekam im März 2026 zwei Oscars, unter anderem für den Titelsong "Golden". Der Film handelt von einer Gruppe von weiblichen K-Pop-Superstars, den HUNTR/X, die jede Generation neu ernannt werden, als Dämonenjäger ihre Fans vor übernatürlichen Bedrohungen zu schützen und die magische Barriere „Honmoon“ zu stärken. Auch durch die Nutzung von sozialen Medien wie Instagram, TikTok oder YouTube ist der Film unter die Top 10 der meistgesehenen Filme gekommen. Diese extreme Beliebtheit hat das Interesse an der koreanischen Popkultur insgesamt gesteigert.
Der Musikwissenschaftler Michael Fuhr von der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover hat sich mit dem Phänomen K-Pop in den letzten Jahren intensiv beschäftigt. Er sagt zum Erfolg: Durch Musikrichtung, Künstler und Fans fühlen sich Jugendliche weltweit durch K-Pop verbunden. Dabei reicht K-Pop weit über einen reinen Musikstil hinaus, da es nicht nur Musik ist, die man sich anhört, sondern es gehört auch Styling, Tänze, Fan-Communities, die Sprache und Social Media dazu.
Die Musikrichtung K-Pop, wie wir sie jetzt kennen, entstand bereits am Ende des 19. Jahrhunderts. Trotz talentierter Sänger, Tänzer oder Liedschreiber war es den Menschen in Korea wegen der Herrschaft der Japaner untersagt, sich künstlerisch auszudrücken. Eine entscheidende Wendung gab es um 1950. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten veranstalteten Konzerte in Korea, um die Südkoreaner ein Stück näher an die moderne westliche Kultur zu bringen. Es gründeten sich viele junge Bands nach dem Vorbild der Amerikaner.
Talentagenturen nehmen schon in sehr jungen Jahren Kinder unter Vertrag und bilden diese in Fremdsprachen, Gesang und Tanz aus. Sie erhalten auch die normale schulische Bildung. Sie werden außerdem im tadellosen Benehmen und im Umgang mit Fans und Journalisten geschult. Dafür bekommen die Schüler (sogenannte Trainees) Punkte, und diejenigen, die die meisten Punkte haben, werden für eine Popgruppe ausgewählt. Die Mitglieder dieser Castingbands werden dann „South Korean Idols“ kurz „Idols“ genannt.
Viele Entertainment-Firmen planen gezielte Inhalte, die Fans einbinden. Die Fans machen aktiv mit, da sie über soziale Medien verbunden sind. Sie erstellen Tanz/Song Covers, Fan-Art und Reaction-Videos. Sie unterstützen ihre Idole bei Abstimmungen oder Chart-Aktionen. Manche Fans organisieren Fanprojekte wie Geburtstagsaktionen für ihre Idole.
Bei der Behandlung der Stars kommt es in Südkorea Anfang der 2000er bis Anfang der 2010er Jahre zu Kontroversen. Unter anderem mussten die Trainees Knebelverträge ("Sklavenverträge") unterschreiben. Die Talentagentur hat dadurch großen Einfluss auf das Privatleben der Personen, während diese kaum Einfluss auf ihre finanzielle Vergütung haben. Ein Beispiel ist die Boyband TVXQ, von denen einige Mitglieder 2009 die Firma SM Entertainment verklagten, da die 13-Jahres-Verträge zu lang seien und sie kaum Geld für ihren Erfolg bekämen. Das Gericht gab ihnen recht. Dadurch wurden die Verträge über 13 Jahre immer seltener. Die Bezahlung bleibt bei den meisten K-Pop Sängern aber weiterhin schlecht, da das Management die Ausbildung, das Tanztraining, die Choreografen, Assistenten und Songschreiber bezahlen und die hoch angesetzten Kosten für die Wohnheime vom Gehalt der Stars abziehen. Dadurch und durch Selbstmorde mehrerer Stars kommt K-Pop und die dahinterstehende Industrie in die Medien.
Immer öfter wird K-Pop auch in Malaysia verwendet, um die kulturelle Sprachbarriere der Malaien, Chinesen und Inder zu überwinden, da K-Pop bei allen Volksgruppen beliebt ist. Es zeigt sich, dass K-Pop-Fans emotional an die Musikrichtung gebunden sind. Sie nehmen die Songtexte auf und motivieren sich mit ihnen, im Leben nicht aufzugeben. Die Fans schätzen das harte Training, die komplizierten Choreografien, bewundern den Charakter und das Aussehen der Stars. Das bringt viele dazu, Koreanisch zu lernen und koreanisch essen zu gehen.
Mit K-Pop sind heute eher koreanischsprachige Lieder mit ein paar wenigen englischen Wörtern gemeint. So etwa der koreanische Künstler PSY mit dem Song „Gangnam Style“, der damit einen internationalen Hit hatte. Wenn dagegen ein koreanischer Künstler ein Lied komplett auf Englisch aufnimmt, fällt das unter die Kategorie Pop. So wird klar, dass sich der Begriff K-Pop nicht auf die Herkunft der Künstler bezieht, sondern auf die Sprache, die in dem Lied gesprochen und gesungen wird. Das sorgt unter den Fans für Verwirrung, da die südkoreanischen Künstler immer öfter ein japanischsprachiges Debüt geben, das die Fans häufig als japanischen K-Pop bezeichnen, eigentlich würden japanische Songs (auch von südkoreanischen Künstlern) aber unter die Kategorie J-Pop fallen.
Während sich K-Pop in vielen Teilen der Welt erfolgreich durchsetzte, spielte in Deutschland der Musikfernseher Viva etwa Mitte der 2010er Jahre häufiger K-Pop-Songs. Durch die Olympischen Winterspiele 2018, die in Südkorea (in Pyeongchang) stattfanden, fand K-Pop in Deutschland erneut viel Aufmerksamkeit. Die Winterspiele wurden von K-Pop-Songs begleitet. Auch der Eurovision Song Contest 2018 hatte ein von K-Pop inspiriertes Lied dabei und zwar „Toy“ von der israelischen Sängerin Netta. Einer der größten Erfolge hatte die Boygroup BTS (Bangtan Boys) mit ihrem Album „Love Yourself: Tear“ erreichten sie 2018 den ersten Platz der US-amerikanischen Billboard 200. Damit sind sie die erste koreanische Band, die die Spitze der amerikanischen Albumcharts erreichte. Zudem handelte es sich um das erste nicht-englische Album, das seit 12 Jahren auf den ersten Platz der US-Album-Charts gekommen ist.
Am Erfolg dieses Genres hat sich auch in den 2020ern nichts verändert. Im Jahr 2022 waren 8 der 10 Musikalben weltweit Alben von K-Pop Gruppen, nämlich BTS, Stray Kids, Seventeen, Enhypen, Blackpink und Tomorrow x Toghether (TXT).
Auch Beliebtheit erhalten K-Pop-Cover-Gruppen. Diese stellen nicht den Gesang der Bands, sondern die Choreografien nach. So kam es zu Flashmobs, bei denen die Tänze der Gruppen in der Öffentlichkeit nachgetanzt wurden. Weltweit gibt es auch K-Pop-Tanzwettbewerbe wie den K-base Contest in dem verschiedene K-Pop-Tanzgruppen gegeneinander antreten. Vor allem bei der League-of-Legends-Community führte der Auftritt von der virtuellen Gruppe K/DA vertont durch Jeon So-yeon, Cho Miyeon aus der K-Pop-Gruppe I-DLE (urspr. (G)-Idle), Jaira Burns und Madison Beer bei der World Championship mit ihrem Song POP/STARS zu einer Steigung der Popularität.